Kurzer Rückblick, ohne jetzt durch die Statistiken zu surfen:
Nach dem Hinrunden-5:2-Sieg in Torgelow habe ich es bei Turus geschrieben, der BFC wird zwei Jahrzehnte nach der Wende erstmals einige Pflichtspiele außerhalb des Nordostens absolvieren, wenn weiterhin in Ruhe gearbeitet werden kann …
Christian Backs hatte die 1. Mannschaft des BFC zum Saisonauftakt übernommen, worauf der ´80er-Jahre-Mief zwischen ihm und den Rudwaleits wieder hoch kam. Robert Rudwaleit & Danny Kukulies verließen den BFC, es wurden einige Unendscheiden eingefahren, das war zu wenig, hatte sich aber mit dem Ausfall des Kapitäns angekündigt. Christian Backs konnte derartige Probleme lösen. Er galt auch nicht als Freund spontaner Fan-und Spieler-Partys im Anschluß nach Punktspielen, er dürfte ohnehin nie dort gesehen worden sein.
Der BFC spielte zunehmend erfolgreicher und attraktiver, das sprach sich schnell herum. Gegen den SV Graue Maus und ähnliche Truppenteile kamen über 1.000 Zuschauer und hatten wieder Freude am Fußball. Backs war an der Linie immer sehr engagiert, er gab keine Ruhe bevor man nicht 3:0 vorne lag. Endlich wurde der Ruhmreiche nicht schon wieder von einem dieser Schläfer angeführt, einem der nur seine Frührente aufbessern wollte.
BFC, der schlafende Riese, am erwachen? Die Konkurrenten nur Bauern? Backs hatte sich von Beginn an gegen derartige Überheblichkeiten ausgesprochen, sehr ausführlich zum Beispiel im Fanzine Zugriff #5, das im Sportforum jeder zweite Besucher kennen dürfte.
Von Beginn an galt Backs als Trainer, der sehr viel Wert auf das Konditionstraining legte. Dauerlauf um den Orankesee. Alte Ostschule wahrscheinlich. Ein Fakt, der viele Fans positiv aufhorchen ließ, zumal man einige Spieler in den Vorjahren vorschnell einbrechen sah. In der Hinrunde sah man die positiven Resultate auf dem Platz, die Runde wurde als Tabellenführer beendet, mit einem Punkt Vorsprung, trotz der 2:4-Heimniederlage gegen Neustrelitz. Doch spätestens nach dieser Pleite dürften sich die wenigsten Fans ein Finale in Neustrelitz wünschen.
Der ewige Winter brachte die Wettbewerbsverzehrung mit sich, die man Energie Cottbus II schlecht zum Vorwurf machen kann. Der BFC verfügte kaum über akzeptable Trainingsbedingungen, er war einige Spiele im Rückstand. Es ließ sich nicht umgehen, das Spitzenspiel im Stadion der Freundschaft sollte gleich zum Auftakt statt finden. Das Resultat ist bekannt. 2:0 verloren. Nicht mal 2.000 Berliner Fans konnten die Truppe elektrisieren.
Eine Niederlage, eigentlich kein Drama. Aber konnte Backs die Spieler noch erreichen? Das Training soll weitestgehend öde ausgesehen haben, und wer die letzten Spiele sah, kann das auch glauben. Einige Talente, plötzlich ein Grauen. Gab es Einzelgespräche oder wenigstens einen heißen Draht zwischen Trainer und Kapitän …? Backs war einst ein verschmitzter Typ.
In der Chefetage sah man das Erreichen des Ziels unter Backs stark gefährdet. Niemand will in dieser Saison, und damit bis in alle Ewigkeit, eine Holzmedaille gewinnen. Dass Backs dieses Ziel meines Wissens nie als Kampfansage formulierte, stieß den Verantwortlichen auf, auch wenn man als Fan aus seinem Engagement an der Seitenlinie schließen konnte, dass er das gleiche Ziel verfolgt. Dazu steht Backs, der langjährige BFC-Spieler und ehemalige DDR-Meister, eigentlich auch sonst zu sehr im Leben, als das er im Sportforum eine halbe Sache machen will.
Irgendwie hat wohl auch die Mannschaft den Trainer entlassen. Bleibt zu fordern, dass das nicht einreißt. Sprengkörper zur Konkurrenz.
Danke Christian Backs. Viel Erfolg Heiko Bonan.