hallo leipzig

Die Veröffentlichungssause war schnieke und familiär, und auch wenn wir die Klause nicht wirlich vollbekommen haben, so hat jeder Dritte ein Single-Büchlein erworben. Danke, Menschheit! Jan und ich freuen uns auf Leipzig und wissen inzwischen auch, wo und wann wir dort auftreten. Und wie ich vorgestern erfuhr, schaffte ich es mit einem Mini-Gedicht aus Knuts Opa war Nazi sogar in Thilo Bocks Jahrhundertwerk. Hoffentlich zerbastelt der Zusteller mein Belegexemplar nicht Briefkasten-gerecht.

ein herz für zusteller

Ach Mensch, schon wieder keine Zeitung im Briefkasten – scheiß Vertrieb, scheiß Post! Und auf die alte Zustellerin wird auch geschimpft, die hier seit Jahren bei Wind und Wetter selbigem trotzt und ihren überladenen Wagen die Hügel hochschiebt. Die hat Urlaub oder, schlimmer noch, die ist in Rente. Und nun dieser neue Zusteller, der ist irgendwie komisch, weil zu neu. Gefühlt kommt hier jede Woche ein anderer, der Kiez gilt wohl als Ausbildungsstrecke? Schimpfen Sie nicht! Der Neue wäre lieber auf seiner alten Tour geblieben, anstatt per verordneter Flexibilität einen auf Bezirksbeglücker zu machen. Er muss jede Tour erst einmal kennen lernen, nun auch die ihre, das dauert. Zuerst schafft er vielleicht nur zwei Drittel, wenn überhaupt, denn es ist doof, vor vielen Türen an drei Riesenbunden einen Schlüssel zu suchen, der vielleicht gar nicht vorhanden ist. Er muss bei den Nachtschichtlern und Fernsehglotzern klingeln, betteln und sich sonst was anhören. Und wenn er endlich in ihr zugiges und halbdunkles Haus hinein gelangt, einige Minuten nach den fantastischen Vorgaben der Statistiker an den fernen Schreibtischen, studiert er blitzschnell ihren Hinterhof mit den drei Seitenflügeln, um mal eben die Post für etwa 40 Haushalte loszuwerden. Immerhin gibt es nicht mehr so viele Laufhäuser, wo er bis in den 4. Stock zu sprinten hat. Dafür gibt es neuerdings diese scharfkantigen und zu engen Schlitze. So oder so, die Zeit rennt, während der er eigentlich keine jeweils drei Minuten für Persönliche Zustellungsaufträge oder Einschreiben mit Rückschein hat. Denken die Herrschaften, er ist ein wandelnder Schreibtisch? Über die zu großen Zeitschriften und Päckchen für die mickrigen Kästen regt er sich schon gar nicht mehr auf. Er hält sich wacker, überreicht seine Warensendungen nach alter Schule noch an der Tür. Der Zusteller grüßt, ohne gegrüßt zu werden. Chatroom-Krüppel haben keine Manieren. Nee, die alte Strecke war besser: Mieter mit lesbaren Namensschildern und ab und zu eine Mark für ne Brause. Das ist schon irre, wie viele Freunde der Jugend sich an ihren Briefkästen kreativ entfalten. Alles bunt in bunt, ohne eine Info. Wohngemeinschaften, na gut. Aber muss am Kasten jeder Name stehen, von jedem, der die WG einst besuchte? Hieroglyphen entziffern kostet Zeit. Und dann diese langweiligen Hinweise auf irgendwelche Werbeverbotsparagraphen, auffälliger als der Name an der Tür. Der Zusteller hat drei Kisten mit Kurz- und Langholz auf dem Rad, sowie fünf in den Ablagekästen. Das ist nicht viel, klingt fast schon nach Sommerloch, aber dank der neuen Tour werden einige Haushalte heute nichts bekommen. Morgen klappt das, dann beginnt er mit dem Abbruch, und wenn der eine oder andere Blitzmerker immer noch keine Zeitung im Kasten findet, liegt es einfach daran, dass sein Abo abgelaufen ist.

Noch einmal schlafen …

… dann steigt unser Werkvorstellungsschubidu. Dieses Single-Büchlein ist eine besondere Veröffentlichung, nicht nur weil die Produktionsundsonstigekosten vom Chef meines Brotjobs getragen werden, der uns auch bei der  Auswärtsmessesause in acht Tagen unterstützen wird. Aber ich will nicht vorweg greifen, erstmal muss morgen die Jägerklause gerockt werden. Das Publikum zeigt Interesse, wenn ich der Gesichtsliste und dem Gästebuch glauben darf. Ach, das mache ich einfach. 111 Leute werden kommen, ich habe 33 Exemplare bei, haha. So oder so, ich werde erleichtert nach Hause fahren. Das wird ein Wochenende: Freitags, Kultur; Sonnabend, zwei Geburtstage; Sonntag, Fußball. Erholen muss ich mich wohl auf Arbeit.

aloha altona!

Ach, wir am Sonntagmorgen an der Plumpe, is och schon wieder fünf Tage her. The long version:

Auch früh um 7 hat der Hanne-Sobek-Platz, benannt nach einem Hertha-Helden von vor 80, 90 Jahren, seinen Reiz; vor allem wenn es gilt, nach Hamburg zu rollen. Meine sechs Mitfahrer sind alle pünktlich und nüchtern am Start, denn wir wollen zum Oberligaspiel zwischen Altona 93 und SC Victoria Hamburg, dem ältesten deutschen Derby, das in der Adolf-Jäger-Kampfbahn stattfinden soll. Oberliga Hamburg, das ist eine der Holzklassen unter den Fußballligen. Dufte so. Außerdem wird in der 1.Bundesliga der HSV die Hertha empfangen, deshalb sind einige Zivilpolizisten auf dem Bahnhof zu sehen. Wir treffen auf drei Hertha-Fans, die wohl seit dem letzten Schichtende am trinken sind. Ich hätte auf 300 Blau-Weiße getippt, auch zu dieser frühen Stunde, aber seitdem hier das Stadion an der Behmstraße durch einen Neubau ersetzt wurde und ein Bahnhofskiosk in ein Gesundbrunnencenter verzaubert wurde, ist nichts mehr wie es war. Die traditionsreiche Hertha-Kneipe „Bierbrunnen an der Plumpe“ hat irgendwie immer zu, und wenn sie aufhat, ist die TV-Senderwahl stark eingeschränkt. Wir haben hier ohnehin nur ein Viertelstündchen zu absolvieren und kippen bei McDonalds einen Kaffee, der ist gut. Welche Orte sind eigentlich für das neue Hertha-Stadion im Gespräch, frage ich unsere beiden Jüngsten, die sich heute 180 Minuten geben wollen. Es heißt, Oranienburg sei ein Kandidat, also außerhalb Berlins, aber letztlich egal, ob man von Prenzlauer Berg aus eine Dreiviertelstunde nach Spandau oder Oranienburg zum Stadion rollt. Ich plädiere für Tempelhof, für die Verdrängung der dortigen Volkssportler und Zwiebelzüchter. Dagegen spricht doch eigentlich nur, dass dieses Areal im Südosten Berlins während der Anfangsjahre des Fußballs den Gegenpol zum Nordosten darstellte. Jawoll, der Kaffee ist gut, nun aber zack-zack, zum Bahnsteig! Vorher noch belegte Riesenschrippen und Wasser geholt, schräg gegenüber. An der Plumpe, im Westen, gibt es alles, doch wir wollen nach Altona, in den Norden. Auf halber Strecke, in Schwerin, steigen wir um, dort ist auch ein Bier fällig, finde ich. Wir machen einen zu guten Eindruck. Hoffentlich kontrollieren uns die Zivis nicht, denn Jan hat drei Kunstpatientenmagazine bei: „Das Wetter“, „Spex“ und „11 Freunde“. An Janusz´ Rucksack sind Buttons von Carl-Zeiss Jena, Kiff Kaff und der Jungen Welt. Ich trage eine deeskalierende Strickjacke. Wenn ich wenigstens eine Flasche Kirschlikör und sieben Pappbecher mitgenommen hätte. Wobei, wenn ich mir meine sechs Freunde mit den drei Stullenpaketen so ansehe, hätten vier Becher gereicht; drei für die wackligen Herthaner, die uns dauernd mustern, und einer für mich. Wir spazieren zum Bahnsteig, besteigen den Doppelstockzug und belagern die besten Plätze. Hat was von Klassenfahrt, nur für Jungs. Der Tag wird es noch in sich haben. Aloha Altona!